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Warum du Musik niemals aus deinem Herzen verlieren solltest

Hochsensible Menschen reagieren auch was Geräusche anbelangt besonders empfindlich. Nicht nur normale Umgebungsgeräusche, auch Musik kann dann im Alltag zu einem Störfaktor werden. Radiomusik, selbst wenn sie nur im Hintergrund läuft, fordert deine Konzentration dann bereits sehr heraus.

Ganz allerdings solltest du Musik nicht aus deinem Leben verbannen. Denn mit deinen feinen Sinnen kann sie dir auch noch viel mehr bieten als „Normalsinnigen“.

Musik und die Laune

Ein Problem stellt Musik für Hochsensible vor allem an öffentlichen Orten dar. Hier wiederum dann, wenn es darum geht, sich konzentrieren zu müssen. Denn wie bei allen Sinneseindrücken fällt es schwerer, momentan unwichtiges auszublenden. Auch Harmonien oder Disharmonien werden leichter wahrgenommen. Oft haben wir gerade in der Öffentlichkeit keinen Einfluss auf die Art und Lautstärke der Musik.

Tatsächlich gibt es nur wenige Dinge, die eine so machtvolle Wirkung auf unsere Stimmungslage haben, wie es Musik tut. Hörst du bewusst hin, etwa bei einem Konzert, kann sie bei dir viel stärkere Emotionen hervorrufen, wie bei anderen Menschen. Musik kann dich also einerseits enorm stressen, wenn du sie als störend empfindest. Andererseits kann sie dich aus einem Stimmungstief auch in einen Zustand bester Laune zurückholen.

Sie kann dich, wenn die Welt mal wieder „viel zu viel“ wird, wieder auf ein normales und entspanntes Level bringen. Sie kann dich aus unerfindlichen Gründen zu Tränen rühren.

Interessant ist, dass diese Tatsache der Stimmungsbeeinflussung zwar schon seit Jahrhunderten bekannt ist, aber erst in allerjüngster Zeit wirklich wissenschaftlich erforscht wurde. Ganz kurz für dich: Musik bringt dein Gehirn dazu, den Klängen, die es hört, über eine Verkettung vieler Hormone und deren Wechselwirkungen miteinander eine bestimmte Emotion zuzumessen.

  • Zu einem gewissen Teil funktioniert das ohne jegliches Zutun deinerseits. Evolutionär betrachtet ist unser Gehirn darauf programmiert, bestimmte Tonlagen mit bestimmten Reaktionen zu verbinden. Etwa, dass tiefe Töne, in langsamem Rhythmus beruhigend wirken oder das schrille Gitarrenklänge unseren Puls in die Höhe treiben. Das hat nichts mit der Musik selbst zu tun, sondern eher mit den Lauten, die uns in der Natur begegnen.
  • Nicht unerheblich ist jedoch auch das, was wir durch unsere Lebenserfahrung mit Musik verbinden. Das können ganze Songs sein oder auch nur bestimmte Klangfolgen. Wenn du beispielsweise als Kind bei den Großeltern immer auf einem Xylophon spielen durftest und dich dabei zufrieden, glücklich und sicher fühltest, werden Xylophon-Klänge dich auch später wieder gedanklich in diesen Gefühlszustand versetzen, selbst wenn du vielleicht die eigentliche Situation dabei gar nicht vor dem inneren Auge hast.

Was dir in verschiedenen Situationen weiterhelfen kann, ist deine ganz eigene Playlist, etwa auf einem Smartphone oder MP3-Player. Dort kannst du dir passend zur gewünschten Stimmung die entsprechenden Songs speichern. Einen Ordner für beruhigende Songs. Ein weiterer für Gute-Laune-Powermusik. So kannst du in jeder Situation und unabhängig von Radio oder Internetempfang die Kopfhörer überstülpen und „abschalten“ oder deine Stimmung beeinflussen.

Musik und das Selbstbewusstsein

Wir alle wissen, wie schwierig es als Hochsensibler sein kann, aus seinem Schneckenhaus heraus zu kommen. Kein Zweifel, was das Selbstbewusstsein anbelangt, haben wir alle oft mit unserer ganz eigenen Liste an Problemstellungen zu kämpfen. An diesem Punkt kommt Musik ins Spiel.

Vielleicht hast du schon mal einen Live-Auftritt gesehen und dir dabei vorgestellt, welche riesige Herausforderung es für dich sein würde, wenn du selbst vor tausenden Zuschauern auf der Bühne stehen müsstest? Dann sei dir eines verraten: Das ist nur das erste Bauchgefühl, das jedoch nichts mit der langfristigen Realität zu tun hat. Die sieht nämlich so aus, dass Musik ein mächtiger An- und Auftrieb für das Selbstbewusstsein der Ausübenden ist:

  • Die die Zuschauer bejubeln Musik und Musiker in erster Linie für die Emotionen, welche ihre Darbietung in ihnen auslöst, also auch die Atmosphäre, die sie durch ihre Fähigkeiten geschaffen haben.
  • Es zählt vor allem das Talent bzw. der Fleiß, den man vielleicht jahrelang in die Optimierung seiner Fähigkeiten an Mikrofon, Gitarre, Schlagzeug und Co. investiert hat.
  • Musik ist, wie jede Kunstform, eine Möglichkeit, sich selbst auszudrücken und vielleicht sogar die beste, denn wo etwa ein Gemälde einen gehörigen Interpretationsspielraum erlaubt, sagt ein Song klar und deutlich, was er meint.

Wenn dich das nicht überzeugt, dann solltest du einen Blick auf verschiedene berühmte Vorbilder werfen. Manche von ihnen hatten in jüngeren Jahren etwa mit Stottern zu kämpfen. Die Musik hat ihnen dabei geholfen, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln.  Ed Sheeran, einer der größten, meistgefeierten Stars unserer Zeit, gehört ebenso dazu wie der Graf von der Band Unheilig oder Scatman John, der mit seinem eigenwilligen Hit im Scat-Gesang bekannt wurde.

Viele Künstler hatten neben dem Stottern auch mit anderen Einschränkungen oder Besonderheiten zu kämpfen. Unter ihnen finden sich solche mit Inselbegabungen (Savant-Syndrom), Autisten oder auch einige mit der Diagnose Asperger-Syndrom. Mozart war einer davon. Dazu Songwriter Travis Meeks, Marty Balin, Sänger der 60s-Kultband Jefferson Airplane. Jim Morrison, der weltbekannte Frontman von The Doors, war sogar über weite Teile seiner Früh-Karriere so introvertiert, dass er dem Publikum während des gesamten Konzerts den Rücken zukehrte, aus Angst und weil er sich genierte.

Was du daraus lernen kannst: Musik kann ein unheimlicher Quell von Selbstbewusstsein sein. Es lohnt sich also, dein Schneckenhaus zu verlassen. Denn sie gibt dir die Möglichkeit, durch etwas zu begeistern, das sich noch einmal vollkommen von typischen anderen Dingen unterscheidet. Deinen besonderen Zugang zur Musik kannst du dir somit zu Nutze machen.

Das gilt nochmals doppelt, wenn du durch eine Hochbegabung auch noch imstande sein solltest, etwa in kürzester Zeit ein Instrument zu erlernen. Dazu musst du nicht einmal vor Publikum spielen. Es genügt auch, für dich ganz allein oder einem kleinen Kreis privatester Vertrauter oder Band zu musizieren.

Musik macht klug

Sicher hast du schon mal den Begriff „Musikalische Früherziehung“ gehört. Gemeint ist damit, dass sehr viele Erzieher, Entwicklungspsychologen und Verhaltensforscher der Meinung sind, dass man Kinder frühestmöglich mit Musik (sowohl passiv wie aktiv) in Kontakt bringen sollte, weil es als erwiesen gilt, dass sich das aus vielen verschiedenen Gründen positiv auf die Entwicklung auswirkt. Etwa, weil es bei Kleinkindern die Motorik und die Emotionskontrolle einfacher erlernbar macht.

Doch auch wenn du diese Phase vielleicht schon seit Jahrzehnten hinter dir gelassen hast, gilt der Grundsatz „Musik macht klug“, unabhängig vom Alter. Abermals aus mehreren Gründen:

  • Musizieren trainiert deine Hand-Augen-Ohren-Fähigkeiten. Schließlich musst du im Normalfall gleichzeitig das Instrument mit den Händen spielen (und jede Hand dabei auch noch etwas Anderes greifen), mit den Augen Noten ablesen und noch mit den Ohren prüfen, ob das alles passt, falls du nicht gleichzeitig noch singst. Diese umfangreiche Herausforderung verschiedenster Hirn-Areale ist ein Rundum-Training für die grauen Zellen, was kaum eine andere Methode besser vermag. Forscher konnten das vor wenigen Jahren belegen. Grundtenor: Für die neuronalen Skills ist Musizieren das beste Training.
  • Dadurch, dass dein Hirn sich viel stärker mit Melodik und der damit zusammenhängenden Stimmungen befassen muss, lernt es umgekehrt, die Sprachmelodie, also jenen Teil des Sprechens, der durch seine Tonlage für emotionale Kommunikation zuständig ist, viel besser zu kontrollieren. Einfach ausgedrückt: Musiker treffen beim Sprechen viel besser einen zur Botschaft passenden Ton.

Musik mag für uns alle zwar manchmal ein enormer Störfaktor sein. Doch sie lässt sich auch auf positive Weise als hochsensible Person „nutzen“, vor allem, wenn man dabei selbst aktiv wird und musiziert. Abseits davon kannst du es gewissermaßen auch trainieren, störende Musik besser ausblenden zu können. In Situationen, wo du sie ohnehin bewusst genießen willst, bist du gegenüber anderen Menschen klar im Vorteil. Denn du bist einfach auch in der Lage, sie viel intensiver wahrzunehmen.

 

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