Das Ideal einer glücklichen Partnerschaft wird meist nicht mit dem Wort „Verletzlichkeit“ assoziiert. Kein Mensch wird gerne verletzt und schon gar nicht vom eigenen Partner. In Wahrheit haben wir aber nur einen falschen Umgang mit emotionalen Verletzungen. Wir versuchen diese, durch einen unsichtbaren Schutzpanzer um uns herum, abzuwehren. Schon bald merken wir aber, dass dieser löchrige Schutzwall nicht der Weg zu einem glücklichen Leben ist. Wie so oft liegt die Lösung in uns. Es ist an der Zeit deine emotionale Rüstung abzustreifen. Wie du damit dich und deine Beziehung offener und zufriedener machst, erfährst du in diesem Artikel.

Verletzlichkeit ist Bestandteil der Liebe

Liebe funktioniert nicht ohne Verletzungen. In jeder innigen Partnerschaft lassen wir uns auf einen anderen Menschen ein. Wir begeben uns außerhalb unserer Komfortzone und vertrauen unsere tiefsten Sehnsüchte und Wünsche dieser Person an. So schön dieses Gefühl auch sein kann: Wir machen uns damit verletzlich. Zu diesem Zeitpunkt hat unsere emotionale Ritterrüstung um uns bereits erste Lücken.

Ist ein Mensch uns so nahe, leben wir immer mit der Gefahr verletzt zu werden: Dieses Risiko gehen wir bei jeder näheren Bindung ein.

Genau wie bei einer risikoreichen Investition geben wir ein Stück Sicherheit auf. Einige Menschen haben derart panische Angst verletzt zu werden, dass sie diese emotionale Nähe zu anderen Personen nicht mehr zulassen. Somit verbergen sie ihre eigene Verletzlichkeit und sind für den Moment glücklich. Die unbewusste Angst vor nahen Beziehungen überwiegt das Glück einer festen und stabilen Partnerschaft.

Um in der Metapher der Geldanlagen zu bleiben – die Menschen lassen ihr Geld lieber auf dem Girokonto liegen, statt es etwas risikoreicher zu investieren. Das Geld ist damit in Sicherheit, allerdings wird es sich, genau wie das Lebensglück, nicht vermehren. In Wahrheit wird es sogar weniger: genau wie die Inflation das Geld auf dem Konto auffrisst, schwindet auch deine Zufriedenheit mit jedem Jahr, in dem du dich emotional verschanzt.

Damit bleiben die Menschen ein Leben lang hinter ihrer Mauer – Risikovermeidung um jeden Preis. Egal wie viel Offenheit und Ehrlichkeit ein Mensch mitbringt. Er wird es nicht darüber schaffen. Nur der bewusste Umgang mit dem Risiko der eigenen Verletzlichkeit kann diese Mauer zum Einsturz bringen.

Durch Verletzlichkeit lernen wir uns besser kennen

Hast du schon einmal überlegt, wieso uns Dinge überhaupt verletzen können? Sicher, man liebt seinen Partner und natürlich steigt mit der Liebe auch die Enttäuschung, wenn der Partner manche Dinge tut oder eben nicht tut. Lass mich dir sagen, dass ein anderer Mensch dich nicht verletzen kann. Es hängt viel mehr davon ab, welche Bedeutung wir einem Umstand geben.

Reagieren wir mit einem unsachlichen Streit oder können wir die Situation konstruktiv klären?

Letzteres bedarf sicher einiges an Selbstreflektion und Zeit, kann aber dazu beitragen, die Beziehung offener und harmonischer zu machen. Die Handlungen des Partners wirken wie Nadelstiche, die uns unsere „wunden Punkte“ aufzeigen. Beobachtest du beispielsweise bei deinem Partner Blicke gegenüber einer Person, die du für attraktiver hältst als dich selbst, entscheidet dein eigenes Selbstbild ob und wie sehr dich diese Situation verletzt.

Bist du zufrieden mit dir, kannst du cool reagieren und ein sachliches Gespräch führen. Ist der eigene Selbstwert aber noch nicht gut ausgeprägt, fühlt man sich verletzt und sucht die Ursache weniger bei sich selbst, sondern beim Partner. Schlussendlich ist eine Beziehung aber immer auch ein Weg, mehr über sich und seine Lebensthemen zu erfahren.

Verletzlichkeit als Basis für Veränderungen

Genau die wunden Punkte, die uns wirklich weh tun, bilden die Basis für Veränderung. Persönlicher Wandel passiert immer außerhalb der Wohlfühlzone und kann sehr weh tun. Dieser Schmerz zeigt uns aber, dass wir am Leben sind und uns verändern. Daher sollte er als etwas Positives angenommen werden. Gehen wir selbstreflektiert mit uns und unserer Partnerschaft um, zeigt uns unsere Verletzlichkeit genau die Punkte auf, an denen wir zukünftig arbeiten müssen.

Sei es Selbstwert, Themen aus der Kindheit oder Verlustangst: All diese Zusammenhänge kommen erst zum Vorschein, wenn wir uns auf einen Menschen eingelassen haben und die Wände um uns herum durchlässig geworden sind. Wir setzen uns einer Gefahr aus, öffnen aber gleichzeitig die Türe in eine positivere Zukunft.

Die eigene Verletzlichkeit anerkennen, an ihr wachsen und gemeinsam mit dem Liebsten thematisieren, wird deine Beziehung auf ein neues Level bringen. Verletzlichkeit ist ein Beweis für die Ernsthaftigkeit einer Bindung. Du zeigst deinem Partner, dass du ihm vollends vertraust. Gib der Verletzlichkeit also die richtige Bedeutung – sehe sie als Dünger, auf der die gemeinsame Zukunft wachen wird.

Wie du Verletzlichkeit in einer Beziehung nutzen kannst

Verletzlichkeit kann der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung sein. Dafür muss aber achtsam und selbstreflektiert mit ihr umgegangen werden. Geschieht dies nicht, entfaltet die Verletzlichkeit eine verheerende Wirkung und die Partnerschaft versinkt in einem Strudel aus Frustration und unsachlichen Streitereien. Es ist wichtig, mit seinem Partner im Austausch zu bleiben. Gerade, wenn die Emotionen hochkochen ist dies nicht immer einfach.

Für diese Situationen macht es Sinn, ein Codewort festzulegen. Damit wird eine unnötige Eskalation im Streit verhindert. Idealerweise zieht sich jeder dann für einige Minuten zurück, um einen kühlen Kopf zu bekommen. Im Anschluss können die eigenen Bedürfnisse klar und sachlich formuliert werden und die Situation konstruktiv gelöst. Diese Prozedur sollte in jedem Streit eingehalten werden, der zu eskalieren droht. Torpediert ein Partner diesen Ablauf, wird es sehr schwierig eine gute Lösung für beide zu finden. Jeder Mensch sollte zusätzlich an seinen „wunden Punkten“ arbeiten: Nur wer sich selbst liebt, wird auf Dauer eine stabile und glückliche Partnerschaft leben können.

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Herzlichst
Anne & Harald