Der Tod und das Leben gehören untrennbar zusammen. Ohne das eine, kann das andere nicht sein. Ohne den Tod, gäbe es den ewigen Kreislauf des Lebens nicht, die Geburt, die Jugend, das Altern, das Sterben. Das Leben würde seinen Zauber verlieren, denn dieser liegt in der Vergänglichkeit. Dennoch versuchen die Menschen immer wieder, dem Tod zu entkommen. Sie möchten dem Altern entfliehen, ewig jung sein, ewig leben.

Die Todesdiagnose ist dementsprechend das Horrorszenario schlechthin. Sie bedeutet das Ende – und häufig schon ein baldiges Ende. Plötzlich folgt die unmittelbare Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit und auch mit der eigenen Angst vor dem Tod. Denn diese trägt jedes Lebewesen unweigerlich in sich. Ohne sie wäre ein Überleben nicht möglich. Auch das macht erneut deutlich, wie eng verbunden das Leben und der Tod miteinander sind. Aber was, wenn du heute eine Todesdiagnose bekommen würdest?

Angst vor dem Tod – oder die Angst vor dem Ungewissen?

Angst gehört zu den fünf Basisemotionen des Menschen. Es gibt somit einige grundlegende Ängste, welchen du nur schwerlich entfliehen kannst. Genau genommen, lassen sich diese aber alle auf die Angst vor dem Tod herunterbrechen: Die Angst vor dem Alleinsein, denn alleine konnte ein Mensch früher nicht überleben, de facto war das sein Todesurteil. Die Angst vor dem Fremden, denn er könnte gefährlich sein und dich töten. Die Angst vor der Dunkelheit, denn dann könntest du einen Feind nicht rechtzeitig erkennen und müsstest sterben.

Der Tod steht somit stets am Ende – oder am Anfang – der Angst und prägt den grundlegenden Drang in jedem Menschen sowie Tier, unbedingt am Leben bleiben zu wollen. Woraus aber resultiert diese tief verankerte Angst vor dem Tod? Es ist die Angst vor der Ungewissheit. Davor, was mit dem Körper, der Seele und der gesamten Existenz passiert, wenn das Leben erlischt.

Viele Menschen suchen Trost in der Spiritualität. Sie suchen sich einen Glauben, eine Religion, eine Erklärung, eine Überzeugung. Nach dem Tod werden sie wiedergeboren, nehmen sie an. Oder ihre Existenz wird in einer anderen, besseren Welt fortgesetzt. Die Spiritualität ist ein Anker, um sich in den Wellen des Lebens festzuhalten und von der Angst vor dem Tod nicht schrecken zu lassen.

Die Irrationalität der Nichtexistenz

Nur eine Option wird nur allzu gerne ausgeblendet: die Nichtexistenz. Sie ist es, welche vielen Menschen die größte Angst einjagt. Kannst du dir vorstellen, einfach nicht mehr zu sein? Schließlich bist du, du warst schon immer – oder etwa nicht? Der natürliche Seinszustand ist etwas, das viele Menschen im Laufe ihres Lebens verloren haben. Doch du kannst ihn wiederfinden.

Die Frage ist nur: Bleibt dieser Seinszustand auch über den Tod hinaus? Wenn nicht, wo kommst du eigentlich her? Schnell wirst du selbst merken, dass die Antwort auf solche Fragen den menschlichen Horizont übersteigt. Es ist diese Irrationalität der Nichtexistenz, des „Nicht-mehr-Seins“, welche vielen Menschen so eine große Angst vor dem Tod einjagt.

Der Blick zurück auf das Leben

Aber nicht nur der Blick in die ungewisse Zukunft, sondern auch in die geliebte Gegenwart und Vergangenheit machen die Akzeptanz der Endlichkeit so schwierig. Sterben, das würde ein endgültiges „Tschüss“ bedeuten gegenüber all jenen Menschen, Dingen und Erinnerungen, welche du über deine Lebensjahre lieb gewonnen hast.

Umso interessanter ist es, dass die Angst vor dem Tod kurz vor dem Sterben zu sinken scheint, so zumindest das Ergebnis einer psychologischen Studie. Wenn also das Ende unmittelbar bevorsteht, verliert die Todesdiagnose plötzlich ihren Schrecken – und mit ihr die Nichtexistenz. Auf einmal sind es die positiven Gefühle, welche die letzten Atemzüge begleiten und die Erinnerungen an die schönen Seiten des Lebens: an Liebe, Freunde, Vertrautheit, Familie, Lachen, Geborgenheit, …

Seelenfrieden schon jetzt finden

Eines Tages nach einem erfüllten Leben den Seelenfrieden finden und mit einem Lächeln auf den Lippen in die Ungewissheit der Endlichkeit übergehen – das ist es, was sich viele Menschen von ihrem Tod wünschen. Resultierend aus der Resignation, diesen (noch) nicht besiegen zu können.

Es ist aber nie zu früh, dich deinem Schicksal zu fügen und dich mit deiner Todesdiagnose abzufinden. Denn, ob du es willst oder nicht, wir alle haben eine solche – schon jetzt, schon vom ersten Atemzug an und bis zu unserem letzten.

Denn wer lebt, wird sterben. Eines Tages. Das ist gewiss. Du weißt zwar noch nicht, wann das geschehen wird oder auf welche Art und Weise. Wer eine tatsächliche Todesdiagnose erhält, ist dieser Erkenntnis schon deutlich näher. Dennoch tragen wir alle sie in uns. Jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, ja sogar jede Sache wird eines Tages vergehen. Es ist daher an der Zeit, bereits jetzt deinen Seelenfrieden zu finden.

Der Tod als Botschaft

Das Schockierende an der Todesdiagnose ist das Ende der Verdrängung. Plötzlich klappt es nicht mehr, der Endlichkeit des Lebens davonzulaufen und Zerstreuung in Nichtigkeiten zu suchen. Du musst dich der Angst vor dem Tod stellen. Je früher du das machst, desto wahrhaftiger kannst du leben.

Der Tod ist deine Abkürzung zur Erleuchtung. Er hilft bei der Besinnung auf das wirklich Wichtige und auf die Frage, was du auf dieser Erde hinterlassen wirst. Sind es Kinder? Erinnerungen? Verbesserungen? Wenn du dich mit dem Tod auseinandersetzt, setzt du dich unweigerlich auch mit dem Leben auseinander. Du gibst ihm Bedeutung und Sinnhaftigkeit. Du erkennst dich selbst und die Schönheit des Seins. Plötzlich kannst du sein – ohne die Angst vor der Todesdiagnose.

Das Relativieren der Wirklichkeit

Du hast eine Todesdiagnose. Je eher du das akzeptierst, desto besser kannst du das Wichtige und das Unwichtige in Relation setzen. Du lebst bewusster, nach deiner eigenen Wahrheit und mit dem stetigen Bewusstsein des über dir schwebenden Damoklesschwerts. Wenn der Tod von einer reinen Theorie zur unausweichlichen Praxis wird, kommen dir plötzlich all die verpassten Gelegenheiten und das „Was wäre, wenn?“ in den Sinn.

Aber noch bist du am Leben und kannst daher all das Verpasste nachholen. Du kannst dich zurückbesinnen auf das Wichtige, das hinter dir lassen, was nichtig ist, und endlich das „Was wäre, wenn?“ leben. Was wäre, wenn du einfach deinen Job kündigen und eine Weltreise machen würdest? Was wäre, wenn du eine toxische Beziehung beenden würdest? Was wäre, wenn du nichts mehr darauf geben würdest, was andere von dir denken?

Was dich deine Todesdiagnose also schon heute lehren kann, ist eine neue Form des Bewusstseins. Abseits von Stress, Hektik und Nichtigkeiten kannst du zurückfinden zu dir selbst und das Wichtige gegenüber dem Unwichtigen abwägen. Du kannst wahrhaftig leben, sodass du eines Tages nicht mit Reue zurückblicken musst auf das verstrichene „Was wäre, wenn?“.

Den Tod begrüßen ist auch ein „Hallo“ zum Leben

Die Angst vor dem Tod ist menschlich. An dieser Stelle schließt sich der Kreis. Niemand möchte sterben und vor allem möchte sich niemand mit dem Thema der Endlichkeit auseinandersetzen. Deshalb rennst du davon vor dem Aufsetzen des eigenen Testaments. Davor, dein Ableben vorzubereiten oder dich mit dem Gedanken zu arrangieren, eines Tages zu deinen Liebsten Lebewohl sagen zu müssen.

Genau in diesem Prozess kann aber das Erwachen stecken – dein Weg zurück in den natürlichen Seinszustand. Du kannst jetzt Vorbereitungen treffen. Du kannst deine Beerdigung planen, ein Testament aufsetzen und für entsprechende Absicherungen sorgen. Dafür ist es nie zu spät, aber eben auch nie zu früh. Vor allem aber kannst du in diesem Prozess zu einer Akzeptanz des Todes finden, welche dich von den Nichtigkeiten deines Lebens befreit.

Schlussendlich ist es also das Loslassen, worum es beim Tod wirklich geht. Er ist dir die Lehre, das Leben loszulassen – schon heute. Denn dieses Loslassen wird dir im Umkehrschluss das schönste Leben bescheren, welches du dir wünschen kannst: Das schlichte Sein im Moment…