Eine unserer Stammleserinnen fragt: „Welche Bedeutung hat es für einen Erwachten, in einer Partnerschaft zu sein?“

Vorweg gesagt: Nach Bedeutung zu fragen, kommt aus der unerwachten Ecke des Seins.

Bedeutung hat für einen Erwachten keine Bedeutung mehr.

Dennoch hat jeder Erwachte seine Geschichte und seine Vergangenheit. In dieser Geschichte gibt es Vorlieben und Abneigungen, Verhaltensweisen und Konditionierungen und Menschen, Situationen und Dingen wird unterschiedliche Bedeutung gegeben.

Mit dem Erwachen erlischt die Identifikation mit all dem.

Wie gesagt, die IDENTIFIKATION löst sich auf, nicht unbedingt die Vorlieben und Abneigungen. Wenn ein erwachter Mensch „vorher“ Coca-Cola getrunken und Knoblauch gehasst hat, ist es wahrscheinlich, dass er nach dem Erwachen, nicht plötzlich auf Bier abfährt und Knoblauch isst, sondern weiterhin auf „das gute Alte“ zugreift. Entscheidend ist, dass der Unterschied an dem Ende der Identifikation liegt und nicht unbedingt am Beenden des Inhalts.

So ist ein Erwachter auch nicht daran zu erkennen, was er isst und trinkt, tut oder nicht tut, sondern daran, ob er sich mit irgendetwas davon identifiziert.

Erwacht oder nicht?

Regt sich ein scheinbar/angenommener/behaupteter Erwachter wirklich auf, wenn er seine Cola nicht bekommt, wünsche ihm alles Gute und dass er einen anderen Guru, Lehrer oder Mentor finde. So kommt es auch, dass der eine Erwachte aufgrund seiner Geschichte in Partnerschaft lebt, der andere eben nicht.

Bringt ihn irgendetwas an seiner Partnerin dazu zu interpretieren, auszuflippen, zu projizieren, schmollen, ärgern, … ist seine Identifikation nicht restlos erlöscht.

Davon gibt es viele.

Erwachen ist in der Regel so einzigartig und intensiv, dass dabei Restidentifikationen leicht übersehen werden. Ist der Erwachte reif genug, wird er daran arbeiten, ist er es nicht, wird er es leugnen.

Es ist zwecklos Erwachte an ihrem Verhalten erkennen zu wollen. Sie werden zwar in der Regel zum Wohle von Menschen handeln, können aber gleichzeitig Dinge tun, die nicht zu Bildern vom Erwachtsein passen wie Rauchen, Alkohol trinken, Sex lieben, ins Kino gehen, …

Diese Bilder existieren jedoch nur in den Vorstellungen nicht Erwachter.

Ausschlaggebend ist das AUSMASS DER ANHAFTUNG an dem, was ein Erwachter tut. Noch dazu wirst du mit einem unerwachten Maßstab messen, glaube dir also möglichst nichts!

Nur ein Erwachter kann einen Erwachten erkennen.

Doch selbst ein „falscher“ Guru kann ein „richtiges“ Ergebnis bewirken, weil es nicht unbedingt auf ihn darauf ankommt, ob du erwachst, sondern auf dich selbst.

Zusammengefasst wird derjenige Erwachte in Partnerschaft leben, der auch vor dem Erwachen eher ein Beziehungsmensch war. Jener der mehr ein Einzelgängertum geschätzt hat, wird nach dem Erwachen auch eher alleine bleiben.

Erwachtes Sein bringt ein, für Unerwachte sehr gewöhnungsbedürftiges, Verhalten mit sich: Man kann behaupten, was man will und auch das Gegenteil kann stimmen und stellt keinen Widerspruch dar.

Bei den Aussagen eines Erwachten geht es nämlich nicht um den Wahrheitsgehalt von dem, was er sagt, sondern darum, den Hörenden selbst ins Erwachen zu führen.

Ob er dabei Wahres, Wirkliches oder Erfundenes von sich gibt, ist unwesentlich, Hauptsache es wirkt.

So gelangt der nach Bedeutung suchende, schließlich in das undeutbare Sein, mit oder ohne Partnerschaft.

Namasté
Ananda

Ananda