Der Wunsch nach erfüllten und langlebigen Beziehungen ist tief in uns Menschen verankert. Doch immer häufiger scheitern Partnerschaften schon nach kurzer Zeit oder kommen gar nicht erst zustande. Bindungsangst verhindert, dass sich eine intime Beziehung zu einem anderen Menschen entwickelt. Betroffene erkennen diese oft zu spät oder merken erst gar nicht, dass eine Beziehungsangst hinter ungesunden Verhaltensweisen und Enttäuschungen steckt. Ursachen für Bindungsängste finden sich schon in der Kindheit, können aber auch im Erwachsenenalter immer wieder auftauchen. Probleme, sich dauerhaft zu binden, können zum Glück aufgelöst werden.

Mit Hilfe des Einübens neuer Muster lernst du, dich deinen Bindungsängsten zu stellen, sie zu besiegen und dein Erfahrungsvertrauen zu nähren.

Bindungsangst als Instrument des Selbstschutzes

Gehe ich eine intensive Bindung gar nicht erst ein, dann kann ich auch nicht verletzt werden, so eine gängige (oft unbewusste) Annahme eines Menschen mit Beziehungsangst. Auffassung. Eine tiefe Angst vor seelischer Verletzung resultiert aus nicht ausreichend verarbeiteten Enttäuschungen über vergangene und gescheiterte Bindungen oder Beziehungsversuche. Kommt es zu ersten Treffen mit einem neuen potentiellen Partner, steigt die Furcht vor einer Wiederholung der negativen Erfahrung.

Neue Beziehungen werden so schon von Anfang an verhindert. Solch ein Verhalten resultiert aus völlig unterbewussten inneren Vorgängen. Unser gesamtes System ist so programmiert, dass es Schmerz vermeidet und potentiellen Gefahren aus dem Weg geht. Kurzfristig mag das funktionieren, die langfristigen Folgen sind jedoch zunehmende Einsamkeit und Frustration.

Gelingt es Betroffenen trotz der Bindungsschwierigkeiten eine neue Partnerschaft einzugehen, ist diese von Beginn an gefährdet, wenn Bindungsängste nicht aktiv aufgelöst werden. Die ersten Hürden treten auf, sobald die Verunsicherung des bindungsängstlichen Partners wachsen und dieser sich in einer Mauer der Distanz und des Schweigens hüllt.

Eine gesunde Beziehung lebt von der Offenlegung der angenehmen und auch unangenehmen Emotionen beider Partner. Ohne diese ist das Knüpfen wichtiger Bindungen und die Entwicklung von Vertrauen unmöglich. Es kommt zur Zerreißprobe für beide Beteiligten. Wer sich in einer Partnerschaft mit einer bindungsunfähigen Person wiederfindet, ist oft enormen psychischen Belastungen ausgesetzt. Unsicherheiten über das richtige Maß zwischen Distanz und Nähe kommen auf und das eigene Bedürfnis nach Zuneigung bleibt unerfüllt

Menschen, die unter Bindungsangst leiden, nehmen dies nicht immer sofort als Nachteil war.

Gern wird das Argument des freien und selbstbestimmten Lebens aufgeführt. Eine Beziehung steht demzufolge für eine Einschränkung der Freiheit. Kompromisse, die für eine funktionierende Partnerschaft erforderlich wären, sind unerwünscht.

Der durchaus sinnvolle Selbstverwirklichungsprozess wird in diesem Kontext als Argument der Beziehungsunfähigkeit missbraucht, obwohl dieser auch innerhalb einer Partnerschaft stattfinden kann. Wird die Bindung mit anderen Menschen jedoch als Bremse der eigenen Entwicklung wahrgenommen, verhindert diese limitierende Sichtweise eine Beziehungsbereitschaft. Dazu kommt die zunehmende Lustlosigkeit, sich den Herausforderungen des gemeinsamen Lebens zu stellen. Die eigenen Bedürfnisse nach Nähe und Bindungen und die anderer Personen stehen hinten an.

Beziehungslosigkeit durch fehlende Risikobereitschaft

Zusammen mit einer Beziehung gehen wir immer auch Risiken ein. Menschen, die unter Bindungsangst leiden, sehnen sich oft nach einer Partnerschaft. Es fehlt ihnen jedoch meist das nötige Vertrauen (Urvertrauen, Erfahrungsvertrauen oder Selbstvertrauen) und die nötige Risikobereitschaft, die ein gemeinsames Leben einfordert. Das Verhalten des Partners ist niemals genau vorhersehbar und eine Erfolgsgarantie besteht nie. Beziehungen leben von dem Vertrauen, das sich die Partner entgegen bringen.

Dazu gehört auch das Zeigen von Schwächen und Ängsten. Wer aufgrund negativer Erfahrungen innerhalb vergangener Partnerschaften misstrauisch geworden ist und Schwierigkeiten hat, einem neuen Partner zu vertrauen, erschwert damit die Entwicklung einer gesunden Bindung. Öffnen sich beide Partner emotional, legen sie damit das Fundament für die glückliche Zukunft.

Beziehungen zu knüpfen ist ein Prozess, den jeder Mensch erst erlernen muss. Das kann auch noch im Erwachsenenalter geschehen, jedoch haben die erwähnten in der Kindheit erworbene Muster, einen erheblichen Einfluss auf unsere spätere Bindungsfähigkeit. Sind unsere ersten drei Jahre durch eine emotional stabile Umgebung geprägt, können wir später auf diesen Grundlagen aufbauen.

Menschen die als Kind schon enttäuscht wurden und nicht genügend Zuneigung erfuhren, sind später mit höher Wahrscheinlichkeit zumindest bindungsängstlich. Doch auch zu viel Nähe wirkt sich nachteilig aus. Akzeptieren Eltern und Bezugspersonen den Freiraum des Kindes nicht, gefährden sie damit dessen Selbstbestimmungsrecht.

Das geschieht, wenn das Kind geknuddelt oder geküsst wird, wenn es dies gar nicht will. Für eine gesunde Entwicklung des Bindungsverhaltens muss also sowohl das Nähe- als auch Distanzbedürfnis erfüllt werden. Andernfalls lernt der Nachwuchs nicht, dass er das Maß an Bindung selbst bestimmen kann.

Wer als Erwachsener rückblickend die Erziehung der Eltern kritisch betrachtet, leidet häufiger unter Bindungsangst. Auch ein in der Familie vorherrschendes kühles und übermäßig strenges Klima wirkt sich auf das Bindungsverhalten störend aus. Familien, in denen die Schwächen der Mitmenschen nicht akzeptiert oder gar verurteilt werden und über Ängste nicht gesprochen wird, schaffen keine gute Grundlage für Selbstvertrauen. Kinder übernehmen diese Verhaltensweisen entweder oder rebellieren, indem sie später den ständigen Konflikt suchen.

Die Bindungsgefahren des Workoholics

Doch auch noch im Erwachsenenalter kann das Umfeld zu einer Bindungsunfähigkeit beitragen. Das geschieht nicht selten durch ein Arbeitsverhalten, welches keine Zeit für eine Beziehung lässt. Verbraucht der Job alle Zeit und Energie, fehlt es an der nötigen Motivation, um in eine stabile Partnerschaft zu investieren. Häufig sind kurze Affären oder Beziehungen die Folge, die an der Oberfläche der Gefühle bleiben.

Tiefe Bindungen auszubauen ist so nicht möglich und es droht eine schleichende Vereinsamung. Liegt der Fokus übermäßig auf dem Job, fehlt es dann zwar nicht an Geld, aber an liebevollen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Der Weg aus der Bindungsangst

Leidest du unter Bindungsangst, musst du dich damit nicht abfinden. Auch wenn unser Bindungssystem überwiegend in der Kindheit geprägt wurde, bleibt es ein Leben lang wandelbar. Emotional stabile Bindungen zu knüpfen lässt sich auch im Erwachsenenalter lernen. Allein der gute Wille die Bindungsangst zu besiegen reicht aber nicht.

Wichtig ist zu verstehen, dass es sich dabei um einen Prozess handelt, der aktiv in Gang gebracht und weiter unterstützt werden muss. Das gelingt nur wenn du dich intensiver mit der Thematik auseinandersetzt. Neue Muster, die zu einer gesunden Bindung führen, ersetzen alte und fehlerhafte Verhaltensweisen. Das Erfahrungsvertrauen wächst und gedeiht. Sich selbst umzuprogrammieren ist das Ziel.

Dafür braucht es Zeit, die du dir bewusst nehmen solltest. Aus einem Zustand der Anspannung und Hektik heraus gelingt die Aufarbeitung nicht. Ruhemomente werden von bindungsängstlichen Menschen oft unterbewusst aus dem Alltag verdrängt, damit ungewollte Gedanken gar keine Chance haben. Doch genau diese müssen zugelassen und erhört werden, auch wenn es schwer fällt.

Vielleicht ist Meditation ein Weg für dich.

Probiere es ein paar Wochen aus zu meditieren und suche dir dafür eine gute Anleitung. Ich werde dich noch mehrfach auf den Nutzen von Meditation, Stille und Rückzug hinweisen. Diese sind so wichtig, wenn du wirklich zu dir selbst finden möchtet, um letztlich deine Heimat in dir zu entdecken.

Ein vertrauter Ansprechpartner kann dir auch helfen, bestehende Ängste zur Sprache zu bringen und diese besser zu verstehen. Den eigenen Schmerz zuzulassen und zu akzeptieren ist ein erster wichtiger Schritt heraus aus der Bindungsangst. Fast niemand kann auf eine konfliktfreie Vergangenheit zurückblicken. Entscheidend ist, dass negative Erlebnisse nicht verdrängt, sondern analysiert und verarbeitet werden. Auch wenn du oft enttäuscht wurdest, kannst du dank neuer, positiver Erfahrungen wieder vertrauen finden.

Selbstliebe: Die Voraussetzung für glückliche Beziehungen

Wer nicht gelernt hat sich selbst zu lieben, wird immer Schwierigkeiten haben, Liebe an andere weiter zu geben. Doch Selbstliebe beinhaltet auch die Annahme eigener Schwachpunkt. Verantwortung für die eigene Situation zu übernehmen bedeutet, sich ein Stück weit mehr Kontrolle über diese zurückzuholen.

Impuls: Selbstverantwortung und Selbstermächtigung

Wenn du anderen keine Schuld mehr zuweist, sondern Selbstverantwortung entwickelst, wirst du Möglichkeiten sehen, um dein eigenes Verhalten zu ändern. Du erlangst die Macht über dein Leben zurück. Überlege, warum du in vergangenen Partnerschaften verletzt wurdest und wie du selbst andere enttäuscht hast. Verurteile dabei weder dich selbst noch die Beteiligten. Nur wer lernt, für das eigene Verhalten einzustehen und seine Position findet, wird eine gesunde Bindung aufbauen können.

Dazu gehört auch, die eigenen Bedürfnisse zu erfahren und hinter diesen zu stehen.

Eigene Qualitäten und auch Schwächen erkennen und akzeptieren, das ist die Voraussetzung, um sich selbst lieben zu können. Die Angst, von anderen abgewiesen zu werden, ist menschlich. Nimm deine Befürchtungen bewusst wahr und lerne, wie du mit Ablehnung umgehen kannst.

Vermeiden kannst du sie nicht. Das Verhalten von Menschen lässt sich niemals planen und Hürden werden früher oder später in jeder Beziehung auftauchen. Nimm diese Umstände an und hinterfrage, wie du aus der Situation gestärkt hervorgehen kannst.

Bindungsängste sind viel tiefer verankert als du vielleicht glaubst.

Um sie aufzulösen ist es wichtig, deren Ursachen zu ergründen und zu verstehen, dass du diesen nicht machtlos gegenüberstehst. Nimm dir in deinem Alltag immer wieder bewusst Zeit, um in Ruhe über Erlebnisse nachzudenken und lerne, wie du langfristig neue Muster in dein Leben integrierst, die die Bindungsängste auflösen.