Stell dir vor, du hast einen guten Freund. Du kennst ihn schon seit dem Kindergarten, bist mit ihm zusammen in die Schule gegangen und teilst deinen Freundeskreis mit ihm. Ihr habt viel zusammen erlebt: schöne Momente und Erfolge, aber auch Trennungen, Schmerz und Leid. Nichts kann euch entzweien und wann immer er deine Hilfe braucht, bist du für ihn da, bietest Unterstützung und wärmende Worte. Auch er lässt dich nie im Stich und reicht dir die Hand, um dir nach einem Sturz aufzuhelfen. Ihr ermutigt euch gegenseitig, eure Träume und Wünsche zu erfüllen.

Natürlich hat dein Freund auch Fehler und Schwächen, aber würdest du ihn deswegen ständig kritisieren?

Würdest du ihm vorhalten, er sei faul, weil er keine Überstunden macht? Würdest du ihm sagen, er sei ein Egoist, wenn er sich manchmal Zeit für sich nimmt? Würdest du denken, er sei ein schlechter Mensch, weil er übergewichtig ist oder nicht gut rechnen kann? Würde er dir deshalb weniger bedeuten? Nein, sicherlich nicht.

Du würdest ihm wahrscheinlich helfen, an seinen Schwächen zu arbeiten. Du würdest ihn ermutigen, mit sich selbst zufrieden zu sein und sich zu akzeptieren. Und du würdest ihn für Fortschritte loben, seien sie noch so klein.

Sehr viele Menschen behandeln sich selbst weitaus schlechter, als sie ihren besten Freund behandeln würden

Gerade Hochsensible, deren Selbstzweifel und Selbstkritik sehr stark ausgeprägt sind, neigen dazu, die Selbstliebe für unerreichbar zu halten, da sie einfach all ihre Fehler und Schwächen erkennen. Doch warum sind wir oft so hart zu uns selbst? Warum kritisieren wir uns, gönnen uns wenig Freiheit, machen uns selbst Angst und reden unsere Erfolge klein? Das ist unnötig: Denn wir können umso besser wachsen und gedeihen, wenn wir uns selbst akzeptieren und lieben. Sich selbst zu lieben bedeutet vor allem, sich selbst ein guter Freund zu sein und das eigene Ich zu achten und respektieren.

Sei dir selbst ein guter Freund

Mit diesen Anregungen kannst du dir selbst die Freundschaft anbieten:

  • Übe dich in Vergebung. Verzeih dir deine Fehler und hör auf, dich klein zu machen oder zu kritisieren.
  • Akzeptiere deine Schwächen und die negativen Gefühle wie Angst und Wut, die manchmal in dir sind.
  • Lobe dich auch für kleine Erfolge.
  • Mach dir Mut, wenn du Angst hast oder an dir zweifelst.
  • Hör auf dein Herz, lebe deine Träume und Wünsche.
  • Sei geduldig mit dir selbst. Gewohnheiten zu ändern oder Neues zu lernen, braucht Zeit.
  • Bring dir selbst die Wertschätzung entgegen, die du einem guten Freund entgegenbringen würdest.
  • Sprich dir Mut zu, unterstütze dich, hör dir zu. Sei für dich da.

Mit Selbstliebe wirst du freier werden, mehr zu dir selbst finden und klarer auf dein Herz hören können. Das Loslassen von Zweifeln und Selbstkritik schafft viel Freiraum. Weniger Ängste und Zweifel werden dich plagen, dein Handlungs- und Gestaltungsspielraum wird sich vergrößern und du kannst anderen Menschen mit mehr Offenheit begegnen, während du toleranter und gelassener durchs Leben gehst. Die enorme Energie, die du vorher in Selbstzweifel, Selbstkritik und Selbsthass investiert hast, kannst du nun nutzen, um deine Herzenswünsche zu erfüllen.

Löse dich von Menschen, Orten und Strukturen, die dir nicht guttun

Du sollst natürlich nicht vor jedem Problem weglaufen, aber wenn du in deinem Inneren spürst, dass dir etwas schadet, dann darfst du dich davon mit gutem Gewissen lösen. Vielleicht wirst du dabei jemandem wehtun, doch wenn du deinem Herzen folgst, werden dir andere Menschen begegnen, denen du umso mehr Gutes tun kannst.

Manchmal sind wir in einer Beziehung gefangen, die uns nicht mehr glücklich macht, die wir aber nicht beenden wollen. Wir haben Angst, den Partner zu verletzen, und fürchten, er würde die Trennung nicht verkraften und regelrecht abstürzen. Doch Loslassen bedeutet, Freiheit zu schenken. Vielleicht möchtest du dich auch beruflich verändern, aber glaubst, es nicht zu schaffen. Deine Zweifel überwiegen und die Ängste sind zu groß. Du schreckst davor zurück, Selbstverantwortung zu übernehmen. Aber wenn du lernst, dich selbst zu lieben, dich akzeptierst und an dich glaubst, wird es dir leichter fallen, neue Wege zu gehen und deine Träume zu verwirklichen.

Menschen, die an sich zweifeln und sich ablehnen, sind häufig unzufrieden mit ihrem Leben

In einer Partnerschaft ist das sehr belastend. Unzufriedene Menschen erwarten oft übermäßig viel Anerkennung vom anderen, weil sie sich nicht selbst ermutigen oder loben können. Außerdem neigen sie zu Eifersucht und fühlen sich schnell verletzt und angegriffen. Gleichzeitig werfen sie dem Partner vor, er sei egoistisch und verletzend. Das kann zu immer wiederkehrenden Streits führen. Manche Partner entwickeln eine regelrechte Streitsucht. Vieles im Tun des anderen wird als Angriff oder Kritik gewertet, obwohl er bloß eigene Gefühle äußert oder Wünsche umsetzt. Selbstzweifel verursachen oft auch Depressionen und Ängste, wodurch weitere Probleme in der Beziehung entstehen. Doch das alles muss nicht sein. Mach dir bewusst: Kein Mensch ist perfekt und jeder ist gut so, wie er ist. Was für den Einzelnen gilt, findet auch in einer erfolgreichen Beziehung Anwendung: Beide Partner behandeln sich wie gute Freunde.

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Weitere Literaturempfehlungen findest du in unseren Buchempfehlungen.

Sig

 

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