Es sind unsere Sinne, mit denen wir mit der Welt um uns herum in Beziehung treten. Wir haben keine anderen Instrumente dafür, keine andere Möglichkeit, die Welt wahrzunehmen, als unsere Sinne.
Über unsere fünf Sinne erhalten wir sämtliche Information aus unserer Umwelt. Ohne das Außen zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken oder über den Tastsinn zu fühlen, könnten wir keinen Bezug zu unserer Umgebung herstellen. Über die Sinne erleben wir die Welt, finden uns in ihr zurecht und kommunizieren mit unseren Mitmenschen. Fällt einer von den Sinnen aus, wird das Leben schwieriger, fallen mehrere aus, sind wir allein nicht mehr lebensfähig.

Wahrnehmung mit unseren Sinnesorganen

Wir hören: Selbst am ruhigsten Ort in unserer Wohnung, in der Regel das Schlafzimmer, kommt es häufig vor, dass wir noch Umgebungsgeräusch wahrnehmen, von randalierenden nächtlichen Heimkehrern über Verkehrslärm oder den Nachbarn, dem Schnarchen des Partners bis hin zum leisen Ticken des Weckers. Außer im Schlaf sind wir also einer dauerhaften Berieselung ausgesetzt.

• Wir sehen: Unsere Augen liefern Information über die Größe von Gegenständen, ihre Entfernung, Form, Material, Oberflächenbeschaffenheit, Farbe, Anzahl, … Solange unsere Augen geöffnet sind, strömen unaufhörlich Bilder in uns hinein. Wir können einfach nicht NICHT wahrnehmen!

• Wir riechen: Meist unbewusst jedoch sehr differenziert, nimmt unsere Nase kontinuierlich Duftspuren auf. Manche sind aufdringlich und gelangen so ins Bewusstsein, andere sind sehr fein und werden unbewusst verarbeitet.

• Wir spüren: Im Laufe eines Tages sammelt sich über unseren Tastsinn auch allerlei an, denn wir berühren nicht nur mit den Händen, sondern unsere gesamte Haut leitet Berührungsreize an unser Gehirn weiter. Der Stoff unserer Kleidung kann sich glatt, rau, geschmeidig, weich oder warm anfühlen. Luftströme überziehen unaufhörlich unbedeckte Körperstellen, Wasser gelangt an Hände und Gesicht oder den ganzen Körper, Handtücher reiben an der Haut, Taschentücher an der Nase, Hände werden geschüttelt, Kugelschreiber gehalten, Türklinken gedrückt, Menschen umarmt, Wangen gestreichelt, Münder geküsst, Ohren gezogen, Haare gekämmt, … pausenlos findet Berührung statt.

• Wir schmecken: Am wenigsten Information liefern unsere Geschmacksnerven. Nicht weil sie wenig aufnehmen können, nein, wir können hunderte von Aromen unterscheiden, doch die Geschmacksnerven werden meist nur während des Essens oder Trinken tätig.

Alle Sinne sind beteiligt

Meist sind mehrere Sinne gleichzeitig am Erleben beteiligt. Zum Beispiel können wir ein Auto sehen, es hören, vielleicht auch riechen. Je nach seiner Entfernung wird einer der Sinneseindrücke überwiegen. Essen wir etwas, sind viele Sinne beteiligt. Wir sehen, riechen und schmecken die Nahrung. Wenn wir sie auch berühren sind vier Sinne beteiligt und alle fünf, wenn wir zum Beispiel Chips oder Nüsse essen und auch das Geräusch dabei hören. Da es sehr schwierig ist, unsere Sinne bewusst zu verschließen, nehmen wir also ständig Information über unsere Umwelt auf. Das ist auch sehr wünschenswert, denn ansonsten könnten wir uns nicht einmal von der Stelle bewegen, ohne überfahren zu werden oder gegen den nächsten Baum zu rennen. Alles in allem sind wir einem immens hohen Gesamtinput ausgeliefert, Stunde für Stunde, Tag für Tag, ein Leben lang. Kein Wunder, dass wir uns nach Stille sehnen!

Weitere Wahrnehmungskanäle

Nehmen wir die Außenwelt über unsere fünf Hauptsinne wahr, so gibt es drei weitere Instrumente für die Wahrnehmung unseres Innenlebens: die Körperempfindungen, das Spüren von Emotionen und das Wahrnehmen von Gedanken.

Körperwahrnehmung: Ist dir gerade eher warm oder kalt? Bist du gerade eher hungrig oder satt, juckt es gerade, schmerzt es irgendwo, bist du müde, kraftlos oder kraftvoll und könntest Bäume ausreißen? Ist es dir gerade zu hell oder zu dunkel, sitzt du weich genug, hast du Durst, Hunger oder einen vollen Bauch? Der Körper erzählt dir ständig wie es ihm gerade geht. Wie ein kleines Kind quengelt er und möchte befriedigt werden mit Essen, Trinken, einer weichen Unterlage, mehr Wärme, weniger Licht, Bewegung, hinlegen, … Er liefert Information über seinen Zustand und seine Bedürfnisse und das sind nicht gerade wenige.

Gedankenwahrnehmung: Immer wenn wir etwas bewusst sehen, wird ein Gedanke ausgelöst und dem folgt meist ein zweiter und ein dritter, vierter usw. So kann uns ein vorbeifahrendes Auto zum Denken über schädliche Emissionen anregen, uns weiter zum Fliegen als katastrophale Fortbewegungsart für das Klima führen, sich hin zu unserem nächsten Urlaubsziel bewegen, das dieses Mal aber so gewählt wird, dass die Kinder auch wirklich hinwollen, denn den Stress vom letzten Jahr brauchen wir schließlich nicht noch einmal und – ach ja, die Kinder wollte ich ja von der Schule abholen.

Gefühlswahrnehmung: Fast immer entsteht über das Denken ein Gefühl. Beim Beispiel Autofahren wäre es typisch, wenn nach dem Gedanken, dass dies schlecht für das Klima ist, ein Gefühl von Ärger, Wut oder auch Traurigkeit folgt. Oder wir regen uns auf, weil wir für unseren Spaziergang extra diese Strecke gewählt haben, damit wir Ruhe haben und gerade jetzt „muss dieser Idiot da lang fahren.“ Doch auch das Gefühl bleibt in der Regel nicht alleine, normalerweise entsteht daraus wieder ein Gedanke zum Beispiel: „Jetzt reicht es mir endgültig, ich ziehe weg von hier.“
Und so kann es eine ganze Weile weitergehen, diesem Gedanken folgt wiederum Gefühl, dem ein weiterer Gedanke folgt, dem ein weiteres Gefühl folgt …

Wie du bemerkst, haben wir bisher als Beispiel nur etwas beschrieben, was durch den Seh-Sinn ausgelöst werden. Das ist völlig ausreichend, um unser reaktives Verhalten sichtbar zu machen, denn mit den anderen vier Sinneskanälen verhält es sich genauso. Egal ob wir etwas, hören, riechen, schmecken oder spüren, wir reagieren immer mit Gedanken und Gefühlen auf das Wahrgenommene. So befinden wir uns in einer kunterbunten Mischung aus Sinneseindrücken und unserer Reaktion auf diese.

Das ist der Augenblick, das Hier und Jetzt, so wie wir es kreieren. Es ist nicht das wahre Hier und Jetzt, jenseits unserer Interpretationen, sondern es ist die Welt, wie wir sie machen und so halten wir sie für die einzige Realität.

Hochsensible und hochsensitive Menschen nehmen übrigens noch viel mehr wahr: Die Gefühle von anderen. Harmonie oder Disharmonie im Raum. Energieflüsse. Die Ausstrahlung von Menschen oder Orten. Diffuse Reaktionen auf äußere Einflüsse. In diesem Text habe ich mich damit beschäftigt: „Die 12 Sinne – Sinnesschulung bei Hochsensibilität“.