• Wutgefühle

Wutgefühle positiv nutzen

Umgang mit einer starken Emotion. Dass Wut nicht immer zu etwas Positivem führt, lernen wir schon in jüngster Kindheit. Mit Wut im Bauch steigern wir uns schnell in Aggressionen und andere schlechte Gefühle hinein. Dennoch ist Wut ein starker Motivator und kann auch positiv genutzt werden. Es ist allerdings nicht so einfach mit diesen starken Emotionen umzugehen und sie in die richtige Richtung zu lenken.

Wut führt zu nichts? Manchmal schon…

„Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid“ dieses Zitat dürfte jeder Star-Wars-Fan ohne Holpern aufsagen können, es entstammt dem Kopf des kleinen Jedi-Meisters Yoda und hat, ungeachtet des Sci-Fi-Hintergrundes auch in der richtigen Welt seine Gültigkeit.

Allerdings ist klar, dass Wut einen manchmal auch zu übermenschlichen Leistungen antreibt, einem Angst und Schmerzen nimmt und Entschlossenheit gibt. Wut ist manchmal auch notwendig, um negative Entwicklungen zu stoppen. Unsere Beispiele zeigen dir, welche positive Kraft in der Wut steckt:

Die 68er

Nicht nur die Wut eines Einzelnen, vor allem auch kollektive Wut kann etwas Positives bewirken. Beispielhaft dafür ist der umfangreiche gesellschaftliche Wandel in den 1960ern. Eine Zeit, die sich bis zur Mitte des Jahrzehnts in der westlichen Welt vor allem dadurch auszeichnete, dass sie sich (gefühlt) kein bisschen von den vorherigen Jahrzehnten unterschied.

Besonders unter Deutschlands Jugend rief das viel Unmut hervor: Verkrustete Strukturen an den Universitäten, verklemmte Moralvorstellungen, die sich seit der Kaiserzeit kaum gewandelt hatten, Ungleichbehandlung von Mann und Frau und vor allem im Westen sehr viele Menschen in höchsten Führungspositionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg niemals ihre braune Vergangenheit aufgearbeitet hatten.

In der ganzen Welt war überall ein gesellschaftlicher Unmut zu spüren. Der umstrittene Vietnamkrieg der USA, der Prager Frühling und die deutlicheren Auswirkungen des kalten Krieges führten überall zu umfangreichen Antikriegsdemonstrationen. Auch wachsendes soziales Ungleichgewicht war ein Grund für die Unzufriedenheit einer ganzen Generation.

Die Jüngeren wollten ihre Zukunft selbst und anders gestalten und schlossen sich der Protestbewegung an, die in vielen europäischen Ländern aktiv war. Ihre Wut entlud sich neben friedlichen Demonstrationen und Generalstreiks auch immer wieder in aggressiven Straßenschlachten. Nichtsdestotrotz führte der Zorn der 68er Generation jedoch großmaßstäblich zu einer insgesamt deutlich liberaleren, offeneren, gleichberechtigteren Gesellschaft und damit insgesamt zu etwas Gutem.

Gabriel Hanot

Wenn sich Journalisten über etwas ärgern, schreiben sie in aller Regel einfach einen Kommentar. Das macht der Wut Luft und lässt sich mit dem Presserecht bezüglich persönlicher Meinung vereinbaren. Beim Franzosen Gabriel Hanot hätte jedoch 1954 kein noch so zeitungsfüllender Kommentar mehr ausgereicht.

Der Ex-Fußballspieler und -Funktionär war wütend, vor allem auf seine britischen Sportberichterstatter-Kollegen. Die hatten seit Jahren die Angewohnheit, die Mannschaft, welche Meister der Premier League wurde, gleich auch in Personalunion zum weltbesten Fußballteam zu erklären.

Man kann Hanots Wut fast fühlen, als er seinen sportlichen Plan erst ersann und dann damit durch Europa tourte: Ein Wettbewerb, an dem nur die Landesmeister teilnehmen durften – damit dann wirklich klar wäre, wer tatsächlich der Beste ist. Auf sportliche Weise, nicht durch die Presse dazu gemacht. Was Hanot dabei erschuf, bringt auch heute noch die Augen der Fans zum Leuchten: Der Europapokal der Landesmeister, mittlerweile besser bekannt als Champions League.

Das Beispiel zeigt sehr gut, wie aus einer Wut über eine Ungerechtigkeit der Antrieb entstehen kann, diese zu beseitigen. Es war nicht leicht gewesen, die Idee eines neuen Wettbewerbs in ganz Europa zu etablieren und in die Realität umzusetzen.

Übrigens: Die Briten waren tatsächlich damals nicht die Besten. Sie holten sich den Pokal erst zur Saison 1966/67 durch Celtic Glasgow.

Jeanne Labrosse

Das späte 18. Jahrhundert war keine Zeit, in der Frauen viel zu sagen gehabt hätten. Selbst der in jenen Tagen ausgearbeitete Code civil enthielt zwar viel Fairness, aber keine Gleichberechtigung. Jeanne Labrosse war davon gar nicht erfreut, im Gegenteil, sie war sogar ziemlich wütend. Sie machte sie sich jedoch positiv zunutze und zog daraus die Kraft, ihre vorhandene Furcht zu überwinden.

Furcht vor etwas, was damals so manchem gestandenen Mannsbild die Knie hätte schlottern lassen. Denn Jeanne Labrosse war die Ehefrau von André-Jacques Garnerin, einem Pionier der Ballon-Luftfahrt. Schon 1798 hatte sie der Welt bewiesen, dass Frauen ebenso gut die damals brandneuen Ballone fahren konnten, wie das starke Geschlecht, obgleich nicht wenige Zeitgenossen bezweifelten, dass Frauen überhaupt körperlich dazu in der Lage wären. Was sie jedoch am 12. Oktober 1799 tat, hatte vor ihr nur ihr Mann ausprobiert: Den Absprung vom Ballon mithilfe eines Fallschirms und auch danach gab es wieder die Kommentare „jaaa, aber eine Frau könnte das ja nie“.

Das Gelächter, das ihr vor dem Start noch aus der Menge entgegengeschlagen war, dürfte ihr zusätzlichen Schub verliehen haben, als sie in 900 Metern Höhe den Bolzen herauszog, der den Ballon mit dem Fallschirm und der daran hängenden Gondel verband (Gefaltete Rucksackschirme, wie man sie heute als „Fallschirm“ definiert, erfand man erst 1912). Der Menge stockte der Atem, die Kappe entfaltete sich und einige Sekunden später stieg eine etwas blasse aber lächelnde Jeanne Labrosse aus der Gondel, mitten in Paris.

Wut nutzen und anerkennen

Die Beispiele könnten unterschiedlicher nicht sein, doch sie alle zeigen dir eines ganz deutlich: Wut ist eine der stärksten Emotionen. Es liegt an dir selbst, in welche Richtung du sie lenkst. Die Herausforderung liegt darin, dich von ihrer starken Kraft nicht mitreißen zu lassen. Denn allzu leicht steigern wir uns in einen Strudel an weiteren negativen Empfindungen hinein. Dann vernebelt sie das klare Denken und wir neigen impulsiv zu Überreaktionen, die nur weitere Probleme mit sich bringen.

Sie zu unterdrücken ist allerdings genauso wenig zielführend. Denn langfristig schluckst du so deinen Ärger immer wieder hinunter. Statt dich um eine (möglicherweise unangenehme) Lösung zu bemühen, gehst du dann lieber Kompromisse ein oder schraubst deine eigenen Bedürfnisse zurück. Auf Dauer leidet darunter vor allem dein Selbstbewusstsein.

Wut richtig lenken

Die Wege, um mit Wut richtig umzugehen sind so vielfältig und unterschiedlich, wie wir Menschen. Hier muss jeder für sich herausfinden, welche Strategie individuell am besten funktioniert. Ein kurzes Innehalten ist jedoch ein guter Schritt für jeden, um bei aufkommender Wut die richtige Richtung einzuschlagen.

Wut ist eine sinnvolle Emotion, die dir anzeigt, wenn sich eine Situation so entwickelt, dass sie dir nicht guttut. Je besser du jedoch einschätzen und bezeichnen kannst, was genau dich überhaupt wütend macht, umso besser lässt sich die Wut als Kraft für eine positive Lösung nutzen.

  • Wut als Ventil: Ein Wutausbruch ist ein gutes Ventil, um angestaute negative Emotionen und Aggressionen abzulassen. Dabei solltest du Wut an sich noch nicht mit Aggressionen oder Gewalt verwechseln. Letztere sind eher Reaktionen auf Wutgefühle, die nicht anderweitig kanalisiert werden.

Wut kann dir helfen, auch einmal (lautstark) und selbstbewusst deine Meinung zu vertreten. Gelegentlich kann es sinnvoll sein, deinem Ärger kurzfristig Luft zu machen. Auf diese Weise werden Missstände konkret ausgesprochen. Allerdings solltest du gleichzeitig oder als unmittelbaren Schritt danach konkret an einer Lösung arbeiten. Mit etwas Übung lässt sich so auch die starke impulsive Kraft der Wut positiv einsetzen.

  • Wut als Motivator: Ungerechtigkeiten und Missstände zählen zu den häufigsten Auslösern für Wut. Sie unterstützt in gewisser Weise deinen Selbsterhaltungstrieb und macht dich auf Dinge aufmerksam, die dir „gefährlich“ werden könnten.

Wenn du dir diese Erkenntnis verinnerlichst, merkst du, dass die Wut grundsätzlich ein positives Instrument ist, um dich weiter zu bringen. Aus den starken Emotionen, welche sie mit sich bringt, kannst du dann Kraft schöpfen, um gegen die Ärgernisse und Missstände anzugehen.

  • Wut als Mutmacher: Viele introvertierte Menschen tun sich schwer mit der Wut, denn sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt. Wer wütend ist, zieht Aufmerksamkeit auf sich und sorgt damit für noch mehr unangenehme Gefühle. Deshalb wird sie lieber unterdrückt.

Dabei kannst du sie als starke Emotion sinnvoll einsetzen, um Mut zu fassen und dein Selbstbewusstsein zu stärken. Du solltest Wut als ganz natürliche Emotion annehmen. Horche in Ruhe auf dein Inneres und forsche danach, was die Wut auslöst.

Ihre Energie kann dich stark machen, um für deine Bedürfnisse einzustehen. Wenn du verstehst, warum du wütend bist, brauchst du keine Angst vor ihr zu haben und kannst sie gezielt nutzen um selbstbewusst aufzutreten. So hilft uns die Wut dabei auch andere Ängste als Herausforderung anzugehen und sie zu überwinden.

 

 

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