Im Sinne eines Diversity Management ist es für Arbeitgeber interessant, hochsensible Menschen einzusetzen und zu fördern.

Die Fähigkeit von Mitarbeitern, Informationen vertieft zu verarbeiten und vernetzt zu denken, ist für Unternehmen sehr wertvoll. Hier schneiden hochsensible Personen besonders gut ab. Da diese zudem die Emotionen anderer Menschen früher und besser erkennen, können sie andere Akteure gut beobachten und Situationen treffend einschätzen. In vielen Kontexten ist diese Fähigkeit gewinnbringend für ihre Arbeitgeber, da Lösungen schneller gefunden werden und gründlicher durchdacht sind.

Viele Querschnittsaufgaben, die in Betrieben anfallen, verlangen ein hohes Maß an Sensibilität. Das Beschwerdemanagement zum Beispiel sollte sinnvollerweise Mitarbeitern übertragen werden, die in der Lage sind mit allen Beteiligten feinfühlig umzugehen. Fraglich ist, ob Arbeitgeber deren Kompetenzen und die höhere Empfindlichkeit als zwei Seiten einer Medaille erkennen.

Viele haben sich mit dem Phänomen noch nicht näher beschäftigt und bewerten die entsprechenden Verhaltensweisen wenig verständnisvoll, manchmal sogar eher unsachlich. Wenn ein Vorgesetzter sich an der Empfindlichkeit des Mitarbeiters stört, kommt es darauf an, dass dieser selbst möglichst souverän reagiert. Dann kann es gelingen, die Vorurteile des Chefs durch überzeugende Leistungen zu widerlegen.

Es ist jedoch auch enorm wichtig, dass du auch im Berufsleben darauf achtest, dich nicht zu überfordern und deine Arbeitsbedingungen aktiv zu gestalten!

Finde Wege der Entschleunigung  

Wenn du den Eindruck hast, dass du zu viele Reize in zu kurzer Zeit verarbeitest, solltest du Wege finden, deinen Arbeitsalltag zu entschleunigen. Aufträge kannst du priorisieren, statt sie gleichzeitig auszuführen. Bei Entscheidungen solltest du prüfen, ob diese sofort getroffen werden müssen. Damit gelingt es dir, die auf dich einwirkenden Informationen leichter zu beherrschen und den Überblick zu behalten. Es gibt auch Möglichkeiten, sich Zeit zum Nachdenken zu verschaffen.

Wenn ein Kollege mit einer Bitte an dich herantritt, kannst du erklären, dich erst mit deinem Chef oder weiteren Kollegen darüber austauschen zu wollen. So gewinnst du Zeit und kannst dir in Ruhe überlegen, ob du die Aufgabe wirklich in dem erforderlichen Zeitraum ausführen kannst oder dem Kollegen einen alternativen Vorschlag unterbreitest.

Deine Kapazitäten solltest du realistisch einschätzen.

Wenn du eine Überlastung befürchtest, ist es sinnvoll, diese deinem Arbeitgeber gegenüber frühzeitig anzuzeigen. Damit stellst du unter Beweis, dass du Engpässe im Voraus erkennst. Wenn du zu einem späteren Zeitpunkt erklären musst, eine Aufgabe nicht termingerecht abgeschlossen zu haben, wird es schwieriger, dies dem Chef schlüssig zu vermitteln.

Um den vielen Anforderungen im Beruf gerecht zu werden, brauchen hochsensible Menschen einen Rückzugsraum. Wer nach der Arbeit Gelegenheit hat zu entspannen, wird es leichter finden, am nächsten Morgen wieder mit der Vielzahl an Informationen umzugehen. Hochsensible Menschen sollten ab und zu eine Gegenwelt zum hektischen Berufsleben schaffen. Dies bedeutet, eine Insel im Alltagsfluss zu bauen. Dort müssen keine Reize verarbeitet werden.

Schaffe Rückzugsmöglichkeiten und reduziere Reizintensität

Du musst nicht immer agieren oder reagieren, sondern darfst dir Zeit nehmen für dich selbst. Ein Spaziergang am Wasser oder durch den Wald kann sehr hilfreich sein, um abzuschalten und sich zu sortieren. Wenn du feststellst, dass dir ein solches Ritual guttut, dann solltest du dir regelmäßig die Zeit dafür nehmen. Es ist sinnvoll, dieses Ritual schon bei der Terminplanung zu berücksichtigen. Wenn du die erholsame Aktivität in deinem Terminplaner im Voraus einträgst, dann behältst du sie leichter im Blick.

Es lohnt sich, wenn du diesen Vorsatz, regelmäßig etwas für dich selbst zu tun, konsequent einhältst. Falls es keine wirklich gute Rückzugsmöglichkeit für dich gibt, dann plane an Stelle dessen eine Pause ein, in der du spontan überlegen kannst, wonach du dich gerade sehnst. Vielleicht ist es ein Bad oder das Hören entspannender Musik. Oft ist es möglich, sich einen solchen Wunsch ganz unkompliziert zu erfüllen.

Wenn du feststellst, dass du gegenüber bestimmten Reizen am Arbeitsplatz besonders empfindlich bist, solltest du Situationen meiden, in denen du diesen allzu sehr ausgesetzt bist. Es gibt viele Möglichkeiten, die Sinneseindrücke zu reduzieren.

Bei Lärmempfindlichkeit kann es helfen, gute Ohrstöpsel zu verwenden. Wenn dir ein lautes Stimmengewirr lästig ist, solltest du die Mittagspause möglichst so terminieren, dass du in der Kantine ein langes Warten in der Schlange vermeidest. Auch bei einer hohen Sensibilität bezüglich warmer oder niedrigen Temperaturen solltest du darauf achten, dich am Arbeitsplatz auf deine Bedürfnisse einzustellen.

Du kannst also deine Empfindsamkeit als individuelle Stärke einsetzen und mit dieser Begabung in deinem Beruf erfolgreich sein.

Herzlichst
Anne