Menschen brauchen andere Menschen

Nähe, Zugehörigkeit und Verbundenheit mit anderen sind wichtige Elemente, die für ein erfülltes, zufriedenes Leben bestimmend sind.

Die Sehnsucht danach, verwandte Seelen, oder gar DEN Seelenpartner zu finden, ist in jedem vorhanden. Den meisten Menschen fällt es nicht schwer, mit anderen in Kontakt zu treten und die ersehnte Nähe zu erlangen. Hochbegabte und sensible Menschen dagegen haben manchmal große Probleme, Beziehungen aufzubauen und vor allem auch zu halten.

Ruhephasen zur Verarbeitung der Eindrücke

Die Ursachen dafür liegen in Eigenschaften, die eigentlich als Stärken anerkannt werden könnten, in unserer Gesellschaft jedoch leider eher als Schwächen gelten. Im Gegensatz zu Menschen, die nicht über Hochbegabungen verfügen und nicht hochsensitiv auf ihre Umwelt reagieren, dagegen nehmen Hochsensible und Hochbegabte ihr Umfeld sehr viel detaillierter und gründlicher auf.

Diese ständige Stimulanz der Sinne führt dazu, dass sie sehr viel schneller ermüden und lange Rückzugsphasen benötigen, um ihre Eindrücke zu verarbeiten. Für die Pflege von Beziehungen sind diese Zeiten der Ruhe nicht sehr günstig, besonders dann, wenn der Partner sie nicht nachvollziehen kann.

Gerade in einer Beziehung ist der Umgang mit einem außergewöhnlichen Partner nicht einfach

Zwischen Betriebsamkeit und wochenlangem Rückzug sind alle Facetten vertreten. Das vermeintlich unstete Verhalten stellt für den anderen eine große Herausforderung dar. Gemeinsame Unternehmungen lassen sich oft nicht planen, da es immer wieder zu Zeiten kommt, in denen das Ruhebedürfnis größer ist als der Wunsch, eine Party, das Theater oder Freunde zu besuchen.

Dass der hochbegabte Partner oft nicht ansprechbar scheint, stellt manchmal ein großes Problem dar. Aber wenn die geistige Abwesenheit nicht als Zurückweisung empfunden wird, kann eine solche Partnerschaft funktionieren.

Den Partner zu verstehen ist sehr wichtig

Eine Beziehung um jeden Preis aufrechterhalten zu wollen und dabei die eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen, ist der denkbar schlechteste Weg. Ohne die Phasen der Ruhe und Zurückgezogenheit ist es für Menschen mit Hochbegabung und Hochsensibilität und einem überdurchschnittlichen Wahrnehmungsvermögen unmöglich, zu seelischer Ausgeglichenheit zu finden. Hochsensitive und hochbegabte Menschen sind auf das Verständnis des Freundes oder Partners angewiesen.

Nur jemand, der nachvollziehen kann, dass die Zeiten der Ruhe für die Verarbeitung dringend notwendig sind, entwickelt Verständnis für die besondere Situation außergewöhnlicher Menschen. Auch wenn es nicht immer einfach ist, auf Menschen zu stoßen, die die speziellen Bedürfnisse akzeptieren, sollte niemand aufgeben, nach ihnen zu suchen. Eine Freundschaft oder Partnerschaft, die Rückzugsphasen erträgt, stellt eine beglückende Erfahrung dar und stillt die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit.

Die richtigen Bedingungen am Arbeitsplatz

Das Gleiche gilt für den beruflichen Alltag. Bei der Wahl der Arbeitsstelle dürfen das Gehalt oder Ansehen nicht im Vordergrund stehen. Ein hochsensibler und hochsensitiver Mensch braucht auch im Arbeitsleben die Möglichkeiten des Rückzugs. Bei der Fülle von Informationen, die er täglich aufnehmen und verarbeiten muss, sind Ruhephasen immens wichtig. Ein ruhiges Arbeitsklima, ein abgeschiedenes Büro und die beruflichen Anforderungen sind die Punkte, die bei der Jobsuche vorrangig eine Rolle spielen sollten.

In einem Großraumbüro ist ein hochsensitiver Arbeitnehmer völlig fehl am Platz. Durch die dauernde Anwesenheit von Kollegen, Telefonklingeln und anderen Geräuschen besteht sonst die Gefahr einer ständigen Überlastung, weil die Reize nicht mehr verarbeitet werden können. Wenn dagegen ihre speziellen Bedürfnisse erfüllt werden können, stellen hochbegabte und hochsensitive Menschen eine echte Bereicherung für den Erfolg eines Unternehmens dar.

Das Gleichgewicht finden

Das ist das Geheimnis. Wie gelingt es dir deine Lebensbalance zu gestalten?

Ich selbst bin da ziemlich radikal und es tut mir gut so zu sein:  Meine Tage möchte ich so leben, dass ich Freude daran habe. Ich leiste mir den Luxus darauf zu achten, was mir gut tut (Umgebung, Arbeit, Wohnung etc.) und Menschen um mich herum zu haben, die ich von Herzen gerne mag, – getreu dem buddhistischen Merksatz: „Der Meister kümmert sich immer zuerst um sich selbst, denn nur dann kann er für seine Schüler da sein.“ Das gilt natürlich auch ganz besonders für Mütter/Väter und Kinder, ebenso für alle Menschen, die sich um andere kümmern wollen und müssen. Je besser es uns selbst geht, umso besser ist unsere Arbeit. Logisch, – nicht?

Und so wähle ich sehr genau aus, wie, wo und mit wem ich meine wertvolle Lebenszeit verbringe

Ist es nicht viel schöner, miteinander zu sein, wenn wir uns tolerieren und gemeinsam Freude und Spaß daran haben? Was spannend ist: Wenn sich diese Grundhaltung fest in einem Menschen verankert hat, geschieht es von ganz allein, dass er Menschen anzieht, die ähnlich denken und empfinden und Umgebungen hat, die förderlich für ihn sind.

Das macht das Leben so schön!

Übrigens: Für außergewöhnliche Menschen gibt es die Facebook-Gruppe „OpenMind People“.

Herzlichst
Anne