Wabi-Sabi und Kintsugi: Diese beiden Begriffe stammen aus dem Japanischen und beschreiben die Perfektion im Unvollkommenen.

Kintsugi beschreibt die hohe Kunst, in kaputten, zerbrochenen und zerstörten Sachen das schöne zu sehen. Übrigens bezieht sich das nicht nur auf Materielles. Wenn die Dinge wieder repariert werden oder gar anders zusammengesetzt werden, kreieren genau diese Stadien des Gegenstandes seine Geschichte. Das macht ihn lebendig und zu etwas sehr Schönen.

Wusstest du, dass die Japaner deshalb ihr zersprungenes Porzellan mit Lackkleber und Goldstaub reparieren?

Wer genauer in die japanische Philosophie des Kintsugi schaut, wird erkennen, dass es sich um eine Art handelt, zu leben und das Leben zu betrachten.

Das große Konzept hinter dieser Philosophie heißt wabi-sabi. Nicht vollkommene Dinge und Menschen verstecken sich nicht, sie werden auch nicht maskiert. Ihr Makel wird als einzigartig und wertvoll gefeiert. Gleichzeitig ist ein Makel aber auch so normal, dass es nicht notwendig ist, darüber zu sprechen.

Unvollkommen zu sein ist eine Qualität

Für Perfektionisten kann es eine außerordentliche Chance auf neue Erkenntnisse und Denkansätze sein, sich mit dem japanischen Konzept „wabi-sabi“ zu beschäftigen.

Ein wenig Perfektionismus darf schon sein: die goldene Mitte

Zu viel Perfektionismus ist also nicht gut. Doch was ist mit dem Gegenteil? Was ist, wenn Menschen überhaupt nicht perfekt arbeiten können/wollen? Das ist kein minder großes Problem. Auch sie haben ständig das Gefühl zu versagen. Sie scheinen einen ebenso geringen Selbstwert zu haben, weil sie fehlende Erfolge mit ihm gleichsetzten.

Gesund hingegen ist eine gelungene Mischung aus dem Bestreben, stets das Beste Ergebnis abliefern zu wollen aber eben auch mal nicht alles auf die Goldwaage zu legen. Wenn dazu noch das passende Gespür kommt, wann Perfektionismus angesagt ist und wann er zugunsten anderer Qualitäten in den Hintergrund treten kann, dann ist der goldene Mittelweg gelungen. Menschen mit gelöster, als positiver Gabe gelebter Hochsensibilität werden diesen Mittelweg leicht finden.

Stell es dir vor, – das Gefühl, nicht perfekt sein zu müssen

Das folgende mentale Coaching kannst du nutzen, um dein eigenes Verhältnis zur Perfektion und deinen hohen Anspruch an dich selbst zu verändern. Male dir die folgenden beispielhaften Bilder in allen Details aus (als Übung) und passe sie dann für dich so an, dass sie deiner Realität entsprechen.

Wir beginnen mit einem ganz normalen Arbeitstag. Du verzichtest morgens darauf, deine Bluse zu bügeln und ziehst stattdessen einen Blazer zu einem Poloshirt an. Auf diese Weise hast du ein wenig länger Zeit gehabt, zu duschen. Dann hast du deinen Podcast zur Teamentwicklung zu ende hören können. Dadurch hast du eine neue Methode für Teamarbeit kennengelernt. Auf dem Weg zur Arbeit begegnest du deinem Vorgesetzten schon auf dem Parkplatz. Er spricht dich an, weil du heute einmal etwas ganz anderes anhast und macht dir ein Kompliment. Du freust dich und berichtest ihm von deiner neuen Erkenntnis und fragst, ob du das Teammeeting heute gleich unter dieser Methode leiten darfst. Er nickt anerkennend und lässt dir freie Bahn. Jetzt hast du nicht besonders viel Zeit für die Planung und du lässt der Improvisation viel Raum.

Am Feierabend willigst du ein, mit auf einen Feierabenddrink zu gehen, statt Überstunden zu machen. Beim Drink lernst du dein Team auch persönlich kennen und kannst deshalb am nächsten Meeting noch besser auf sie eingehen.

Alle sind zufrieden, dein Vorgesetzter lobt dich und fragt, ob du noch mehr Änderungsvorschläge hast. Du wunderst dich über die Anerkennung, schließlich hattest du ja nach deinen eigenen Ansprüchen noch keinen Erfolg: Die Methode konntest du nicht perfekt, du hattest wenig Zeit für Planung und musstest improvisieren.

Aber abends im Bett dämmert dir, dass die Japaner da etwas Großes erdacht haben: Auch nicht perfekte Dinge können schön sein. Es fühlt sich auf jeden Fall gut an, dass du ohne Leistung in deinem Sinne Anerkennung erhalten hast.

Die wichtigsten Tipps für Perfektionisten

  • Lege nicht alles auf die Goldwaage.
  • Auch fünf kann eine gerade Zahl sein.
  • Akzeptiere dich.
  • Optimieren steht nicht über Entfalten.
  • Gehe davon aus, Fehler zu machen – nimm dir die Freiheit.
  • Lerne, andere um Hilfe zu bitten.
  • Kein dauerndes Planen mehr -verbiete es dir.

Du bist nicht faul und auch nicht teamunfähig oder alle anderen negativen Dinge, die du von dir denkst. Du bist gefangen in deinem oder einem fremden Idealbild.

Höre auf damit. Sieh die Schönheit des Unvollkommenen

Schon alleine, weil Studien zeigen, dass Menschen, die stark motiviert sind und Perfektionisten sind, besonders oft an Burnout leiden. Darunter sind es übrigens vor allem die, deren Motivation nach innen gerichtet ist. Ist das nicht erschreckend? Perfektionismus macht krank. Lass es nicht soweit kommen.

Herzlichst
Anne