In meinen frühen Zwanzigern las ich das Buch von Richard Bach über die Möwe Jonathan, die Freiheit, das Fliegen und fühlte mich erstmals verstanden. Ich war die Möwe, ich war Jonathan.

Ich war so erleichtert und gleichzeitig tieftraurig und einsam.

Warum und worum geht es in dem Buch? Jonathan Livingston Seagull, auch bekannt als Möwe Jonathan, wollte nicht fliegen, um zu leben, sondern sie wollte leben, um zu fliegen. Durch ihre individuelle Lebensweise hob sie sich von ihren Artgenossen ab. Sie strebte Perfektion im Fliegen an und wurde daher von den anderen Möwen ausgegrenzt. Diese setzten ihre ganz normalen fliegerischen Fähigkeiten nur zur Futtersuche ein, als Mittel zum Zweck. Sie fliegen, um zu leben, um zu fressen.

Jonathan dagegen will seine Flugkunst vervollkommnen, er ist verliebt in das Fliegen und in die Freiheit.

Jonathan will über den Durchschnitt hinaus, er ist neugierig und sucht das Außerordentliche. Das Lernen und Streben nach Neuem und Unbekanntem, wovon die Freiheit des Fliegens nur ein Beispiel ist, ist für Jonathan der Sinn seines Daseins. Er erkennt auch, dass der Keim dieser Freiheit in jeder Möwe angelegt ist. Weil mit seinem Anspruch „gegen die Würde und die Traditionen der Möwensippe“ verstößt, wird er jedoch vom Ältestenrat des Möwenschwarms verbannt.

Trotz der Ausgrenzung gibt er nicht auf, sondern hält leidenschaftlich an seinen Zielen fest, vor allem an der Vermittlung der Erkenntnis, dass das Fliegen und damit die Freiheit an sich der Zweck des Daseins ist, nicht das Fressen.

Nachdem die Möwe Jonathan gestorben und in den Himmel gelangt ist, beschließt sie, zur Erde zurückzukehren, um ihre Erfahrungen mit den Glücksgefühlen des Fliegens als Lebenszweck anderen, jungen Möwen weiterzugeben.

Es ist ein Buch, das von Selbstwerdung in Freiheit und das in einer märchenhaften Sprache erzählt.

  • Es geht darum, der zu werden, wer ich bin und so, wie ich gemeint bin, auch gegen den Widerstand der Gesellschaft.
  • Es geht darum mehr Sinn im Leben zu suchen als nur Futter und Kampf.
  • Es beschreibt, wie ein Wesen sich immer weiter entwickelt und auch andere liebevoll in ihrer Entwicklung dabei unterstützt.

Mit 25 wusste ich: Das ist meine Lebensaufgabe, das wollte ich weiter lernen.

Um das zu tun, ging ich für meine Familie sehr ungewöhnliche Wege. Die tiefe Berührung durch Richard Bachs Erzählung hielt monatelang. Auch den entsprechenden Film kaufte ich mir an. Heute gibt es ihn auch im Streaming. Die Wirkung auf mich war womöglich noch erschütternder als das Buch und besonders lang andauernd.

Ich besorgte mir eine Videokassette und bat meine Eltern, sich diesen Film mit mir gemeinsam anzuschauen.

  • Ich weiß noch genau, welche Kleidung ich an dem Abend trug und wie ich mich fühlte
  • Ich erinnere mich noch sehr genau an die stille Wortlosigkeit während wir zuschauten
  • Ich weiß noch, wie meine Eltern sagten: Ein Film ganz ohne Menschen, was soll das
  • Ich fühle noch die Ratlosigkeit und Unverständnis, die meine Eltern ausstrahlten

Meine Enttäuschung war groß. Tief. Schwer. Ich war allein. Sehr allein.

Dieses Gefühl hielt viele Jahre lang an. Als ich mich aber 1994 erstmals wirklich innenfrei fühlte, verschwand es völlig und transformierte sich zu Gelassenheit und Lebensfreude.

Heute fand ich einen Text, den Ananda vor einiger Zeit geschrieben hat, nachdem wir über seine Aufgaben in der OMA gesprochen hatte. Wie passend, dass ich heute darüber gestolpert bin. Er hat mich zu diesem Newsletter inspiriert.

Als Teil der OpenMind Akademie bin ich eine Möwe Jonathan. Ich bin dankbar, nicht um das Überleben kämpfen zu müssen und dafür, dass mich die Sehnsucht nach dem Unbekannten, zur höchsten Selbstrealisation geführt hat. Ja, da ich dieser Sehnsucht kompromisslos gefolgt bin, wurde auch ich „von der Sippe“ verstoßen. Die Menschensippe fürchtet sich vor Einzelgängern, die zu unbekannte Ufern aufbrechen und Klischees und Normen sprengen. Und wie diese besondere Möwe bin ich von den fernen Ufern zurückgekehrt, um die Erkenntnis zu vermitteln. Jetzt bin ich hier, um dieses „Ananda“, (wörtlich Wonne/Glücksgefühl), mit „junge Möwen“ zu teilen, ihnen „die Landkarte des Erwachens“ weiterzugeben.

Ananda und ich widmen uns dieser Aufgabe auf unsere individuelle Art. Ich glaube auch, dass wir uns dafür gefunden haben. Wir lieben und leben Freiheit, Liebe und Vertrauen und geben dies von Herzen gerne weiter.

Wie können Menschen den Zwang der Konventionen verlassen und Freiheit leben?

Schaue dir wirklich innenfreie Menschen an und erforsche, wie sie diese Freiheit erreicht haben. Jeder darf Hingabe und kompromisslose Selbsttreue lernen. Finde Menschen in deinem Leben, die frei und liebevoll ihre Berufung leben. Lausche Menschen, die Worte sprechen, die dich erleichtern, nicht belasten. Und vor allem:

Hör auf an dir zu arbeiten, entdecke viel mehr die Leichtigkeit und Lebensfreude.

Lasst uns alle üben und uns gegenseitig zeigen, wie wir fliegen können, wie wir ganz bewusst und aus tiefstem Herzen und gemäß unserer Bestimmung, auf der Basis von Gewaltlosigkeit und aus tiefster Liebe leben und handeln.

Denn wenn wir alle bewusst fliegen, fliegen wir so, dass es dem Leben, deinem und allem, förderlich ist.

Das braucht allerdings Übung, ja! Viel Übung, Mut, Leidenschaft, Freude und Neugier….
Ohhh, das klingt ja genau nach den Dingen, die das Leben ohnehin so richtig lebenswert machen.

Also lass dich nicht davon abhalten freudvoll Freiheit zu üben.

Lies dazu auch: So stärkst du dein Selbstwertgefühl, erhältst mehr Selbstbewusstsein und ein stabiles Selbstvertrauen. 

Sonnige Grüße aus La Palma von
Anne